Marokko 2008

10. März 08

Wir sind in Frankfurt, Sturmwarnung aus Paris, wir bekommen keine Landeerlaubnis. Im Flugzeug ist die Stimmung gut, man reicht uns Taralucci, eine Knabberei mit 15% Wein eingebacken.

Unser Sitznachbar erhält eine Nachricht von seiner Frau, sie sagt dass es in Paris einen Hurrikan gäbe und bittet ihn, nicht weiter zu fliegen sondern in Frankfurt das Flugzeug zu verlassen. Daraufhin fragt er Christoph, der gerade etwas in sein schwarzes Notizbuch schreibt, ob er jetzt sein Testament machen wolle.

Die von Wilhelm Reich beschriebenen Außerirdischen versuchen unsere Reise nach Marokko zu verhindern, ist Christoph’s Erklärung. Alle Zeichen sprechen dafür. Doch in Paris finden wir weder ein großes Chaos vor noch treffen wir auf Anzeichen eines vorbeigezogenen Unwetters.

Wir schaffen den Flug um 18 Uhr nach Rabat, alles verläuft gut. Doch Christoph merkt, dass er das für unsere Operation entscheidende Wilhelm Reich Buch im Flugzeug aus Berlin vergessen hat. Er beschließt jedoch, dies als Wink des Schicksals zu sehen und ohne diese Vorlage zu arbeiten.

In Rabat angekommen, müssen wir lange auf unser Gepäck warten, dann ist alles da bis auf das Stativ für den Cloudbuster. In dem kleinen Büro, in dem die verlorenen Gepäckstücke registriert werden hat eine Marokkanerin einen Wutanfall über eine Kleinigkeit, die sie jedoch als riesige Unhöflichkeit betrachtet. Der Wutanfall hält, soweit wir es übersehen können, mindestens eine Stunde an.

Bei Europcar ist niemand mehr, das Licht ist aus. Nach einem Anruf trifft ein junger schlaksiger Mann mit Halbglatze ein, er trägt einen Anzug und hat einen sehr weichen Händedruck. Das für uns reservierte Auto sei nicht mehr da, weil wir nicht rechtzeitig eingetroffen wären. Schließlich, nach einigem Hin und Her, holt er einen Kollegen herbei, der uns einen Wagen mit Vierrad-Antrieb besorgt hat, nicht das erwartete Model, eher ein Pseudo-Gelände-Fahrzeug ohne Anhängerkupplung in Silber. wir nehmen es  und fahren damit in die Stadt zur Rue Mohammed V, wo wir in der Nähe des Hotel Balima unseren Verbindungsmann Abdellah treffen.

Abdellah zeigt uns seine nicht-öffentliche Galerie genannt Apartement 22. Er bietet uns einen marokkanischen Wein an, der sehr an spanische Weine erinnert. Auf dem kleinen Tisch steht ein Spielzeug, eine Art Eisenbahn, auf der Bin Laden von George Bush verfolgt wird.

Später vertrauen wir das Mietauto dem  livrierten Wachmann eines Cafés an, für 40 Dirham die Nacht. Abdellah bringt uns zum Hotel Royale in der Nähe der Rue Mohammed V.

Die von Wilhelm Reich beschriebenen Außerirdischen versuchen unsere Reise nach Marokko zu verhindern:

1. Streik in Berlin

2. Chip im Kofferkuli plus geizige Frau

3. Mann im Chaos am Postschalter im Flughafen Tegel

4. Sturm in Paris – Flug nach Frankfurt

5.  Kekse statt Frühstück bei Air France

6. Wilhelm Reich Bücher im Flugzeug liegenlassen

7. In Rabat fehlt das Stativ für den Cloudbuster

8. Frau mit Wutanfall im Büro für verlorene Gepäckstücke

9. Bei Europcar niemand

10. Das falsche Mietauto

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11. März 08

Wir frühstücken mit Abdellah im Café. Es war nicht sehr kalt in der Nacht eher klamm. Um 8 Uhr brechen wir auf nach Fés. Wir folgen Abdellah und seinem anthrazitfarbenen Mercedes. Auf der Autobahn gibt es strikte Geschwindigkeitsbegrenzungen und viel Polizei, die zu schnelles Fahren sofort mit Geldbußen ahndet. Die Strecke ist ausgesprochen grün, eine ähnliche Vegetation wie auf den Balearen, vielleicht noch fruchtbarer. Am Himmel sind vereinzelt Wolken zu sehen, die sich klar voneinander absetzen. Wir unterhalten uns über die verschiedenen Pläne, das Mittelmeer zu entwässern, als wir durch ein Tal fahren mit sanften Berghügeln, die mit strahlend grünem Moos bewachsen sind. Die Ebene wirkt wie ein ehemaliger See, die Landschaft wie vom Wasser geformt. Desto näher wir Meknes und Fés sind, desto trockener wird es, manche Berge sind am Südhang sandig, die Wolken zerfasert.

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In der Nähe eines überdachten Gemüsegroßmarkt, etwas außerhalb von Fés, liegt das Büro von Abdellah in einer Art Industriegebiet. In den Werkstätten werden hauptsächlich Autos demontiert, die Einzelteile gesammelt und wiederverwertet. An Abdellahs Büro schließt sich ebenfalls eine Werkstatt an, es gibt einen großen Innenhof, der mit einer Stahltür verschlossen ist und von drei Hunden bewacht wird.

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Nachdem wir unser Gepäck im Haus verstaut haben, fährt Abdellah mit uns zu einem Hotel, das auf einem Berghang liegt. Von der Terrasse des Hotels hat man einen  weitreichenden Blick auf Fés. Abdellah schlägt vor, dass wir gemeinsam mit den Handwerkern aus dem Industrieviertel den Cloudbuster bauen sollten, da diese genau wüssten, wo man die verschiedenen Teile, die dafür gebraucht werden, kaufen kann.

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Nachdem wir das Organisatorische übereinstimmend geklärt haben spricht Abdellah über Regen in Marrokko. Er sagt, dass es in den sechziger Jahren wenig Regen gegeben hätte. Damals erzählten die älteren Leute, dass es in ihrer Jugend noch viel geregnet habe. In den letzten Jahren gäbe es mehr Regen, sogar mehr als in Spanien. Manche Leute sagten, Gott schenkt uns den Regen. Während seiner Schulzeit, hätte man den Kindern erklärt, dass es ein nützliches und ein weniger nützliches Marokko gäbe, fruchtbare und unfruchtbare Gebiete, geteilt durch das Atlas-Gebirge. Auch die Menschen wurden so klassifiziert, sagt Abdellah. Die aus den trockenen Zonen waren weniger nützlich, als die aus den fruchtbaren. So kam es, dass die aus den weniger fruchtbaren Gebieten als Arbeiter nach Europa gingen. Auch der bekannte marokkanische Schriftsteller Muhammad Choukri kam aus der trockenen Zone.

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Zurück in den Werkstätten, werden wir Nabil, Abdou und Ibrahim vorgestellt, die uns helfen werden, den Cloudbuster zu bauen. Abdellah nimmt uns mit in ein Volks-Restaurant, in der Nähe, wo wir Linsen, Bohnen und Fisch essen, alles schmeckt ausgezeichnet, das weiße Fleisch des Fisches ist mit Koriander gewürzt. Wir trinken Coca-Cola zum Essen, erfahrungsgemäß ein gutes Mittel gegen eine mögliche Magen und Darm-Schwäche unter der Nordeuropäer in südlichen Ländern oft leiden. Nach dem Essen folgt eine Besprechung mit den Handwerkern im Konferenzraum über Abdellahs Werkstatt. Christoph erläutert die Idee des Cloudbusters und den Bau desselben. Anhand von Fotos und Zeichnungen wird langsam klar, welche Materialien gebraucht werden. Es wird in der Hauptsache Französisch gesprochen und außer bei bestimmten Fachausdrücken, die man nicht notwendigerweise in jeder Fremdsprache beherrscht gibt es keine Verständigungsschwierigkeiten. Nachdem die finanzielle Seite, das heißt die zu erwartenden Kosten mit Ami Barak in Paris, telefonisch geklärt wurden, machen sich Christoph und die Jungs auf den Weg, um einen Anhänger zu sichten, der für den Transport des Cloudbusters gebraucht wird. Christoph erzählt mir später, dass der Anhänger, den er gesehen hätte, wahrscheinlich selbstgebaut sei, aber gut sei.

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Schließlich fahren wir nach Fés und versuchen das Mietauto bei Europcar zu reklamieren.  Der marokkanische König ist gerade in Fés, daher werden auf bestimmten Straßen, die er passieren wird immer wieder Autos abgeschleppt und umgesetzt, jedoch kostenfrei, wie uns Abdellah erklärt.

Bei Europcar gibt es Probleme mit der Reklamation des Wagens, es scheint fast unmöglich zu sein, ein Auto mit Anhängerkupplung zu finden. Wir werden von dem Angestellten auf den Nachmittag vertröstet. In der Zwischenzeit besorgen wir mit Nabil, Abdou, Abdellah und Ibrahim die verschiedenen Parts für den Bau des  Cloudbusters in einer Straße für Handwerkerbedarf in der so genannten Ville Neuve. Es dauert eine ganze Weile, die richtigen Rohre und Verbindungsrohre zu finden.  Die Läden sind relativ klein und man muss genau erklären was man braucht, da es keine Selbstbedienung gibt wie in einem Baumarkt. Baumärkte gibt es auch, etwas weiter ausserhalb, aber da haben uns Nabil und die anderen nicht hingeführt.

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Wieder zurück bei Europcar werden wir auf den nächsten Tag vertröstet. Abdellah ist der Meinung, dass die Leute von Europcar uns verschaukeln, indem sie uns ein minderwertiges Auto geben und den Preis für das bessere Model kassieren und so einen kleinen Gewinn machen.

Abdellah wirkt etwas abgespannt, seine Reise nach Indien steht am nächsten Tag bevor. Daher auch unsere Eile, wir wollen in den ersten 24 Stunden vor seiner Abreise möglichst viel erledigen. Auf Abdou und die anderen könnten wir uns jedoch ebenso verlassen, sagt Abdellah. Später stellt sich heraus, dass Abdou sein Cousin ist, genau wie Muhammad, der den Anhänger besorgt und in einer anderen Werkstatt arbeitet.

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Am Abend versuchen wir in ein Hotel einzuchecken, was nicht ganz leicht ist, da es aufgrund des königlichen Besuchs kaum genügend Zimmer gibt. Schließlich bekommen wir doch zwei Einzelzimmer und fahren noch einmal zurück zu Abdellahs Workshop, um unser Gepäck zu holen. Ich versuche, mir den Rückweg zu merken, indem ich die Strecke skizziere mit markanten Punkten wie Tankstellen, kaputten Schildern, Baumgruppen etc. Auf dem Rückweg folgen wir Abdou’s Wagen, der uns den Weg weisen soll. Als wir ihn verlieren, weil sein Auto so aussieht wie viele andere, werden wir sofort von Abdellah angerufen, der sich sorgt, dass wir uns nicht zurechtfinden, doch nach mehrmaligem Umkreisen der Haupt-Prachtstraße finden wir unser Hotel.

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Christoph verursacht eine Überschwemmung im Hotel, als das Wasser nach dem Duschen nicht abfließt, das Badezimmer überschwemmt, den Papierkorb mitreißt und sich bis auf den Flur ergießt.

Später am Abend trinken wir noch einen Tee mit Abdellah, der sich vor seiner Reise nach Indien von uns verabschieden will und uns alles Gute wünscht.

12. März 08

Beim Frühstück im Hotel erzähle ich Christoph von meinem Traum über Marc Brandenburgs neuen Stil, Karikaturen zeichnen, und dass seine Bilder in einer schicken Galerie mit vielen halb vollen Champagner-Gläsern von weiblichen Popstars für viel Geld an einer schwarzen Supermarktkasse gekauft wurden. Um 9:45 Uhr holt uns Abdou ab und wir fahren zur Werkstatt. Von Abdellah hatten wir uns am Abend vorher verabschiedet.

Im Laufe des Vormittags arbeiten Nabil, Abdou und ein dritter Mann Namens Abdel Kadir am Cloudbuster. Wir filmen und fotografieren die Arbeit. Überlegungen, ob wir die Strecke über den Atlas nach Marrakesch  oder die kürzere über die Autobahn nehmen sollen. In der Mittagspause essen wir im selben Restaurant wie am Vortag und zahlen 120 Dirham für fünf Personen. Nach dem Essen lötet Nabil die Rohrverbindungen. Diese Art des Löten war ihm vorher unbekannt. Er hätte die Rohre geschweißt. Christoph lässt ihn seine Sache zunächst so machen, wie er es für richtig hält, auch um seine Ehre als Handwerker nicht zu verletzen, schließlich lötet Christoph eine Verbindung selber, damit Nabil sehen kann, wie es gemeint ist.  Nachdem festgestellt wurde, dass ein weiteres Kupferrohr fehlt , überlegen wir, ob es sich lohnt, jetzt abzubrechen, um in die Stadt zu fahren. Nabil sagt zunächst, er wolle nur bis um 18 Uhr arbeiten, dann aber will er alles an einem Tag fertig stellen und bis 22 Uhr oder sogar noch länger arbeiten. Christoph ist dagegen, da es besser sei, am nächsten Tag zu sehen, ob etwas nicht funktioniert oder noch fehlt. Schließlich fahren wir mit Abdou in die Stadt und Nabil und Abdel Kadir verarbeiten das restliche Material. Auf dem Weg in die Stadt schauen wir bei Muhammad vorbei und lassen uns den Anhänger zeigen, der inzwischen in seiner Werkstatt steht.

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Bei Europcar werden wir wieder vertröstet, in einer Stunde sei der neue Wagen mit Anhängerkupplung bereit. Während Abdou, ein 5 Meter langes Rohr kauft, das er schneiden lässt, warten wir am Wagen. Normalerweise muss man jedes Mal, wenn man sein Auto auf einem Parkplatz stehen lässt, einen Wächter bezahlen. Ganz selten gibt es Automaten mit Parkschein.

Bei der Rückfahrt ins Industriegebiet merken wir, dass es fast immer eine andere Strecke ist, die wir fahren. Die markanten Punkte auf meiner Skizze sind nirgendwo zu sehen.

Nabil und Abdel-Kadir haben während unserer Abwesenheit die Kupferrohre mit Schleifpapier, Metall-Schwämmchen und Zitrone bearbeitet, um sie zum Glänzen zu bringen. Die Zitronen wachsen direkt neben der Werkstatt auf dem Hof.

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Es ist 17 Uhr und das restliche Material wurde verarbeitet. Nabils Rohrverbindung weicht jedoch leicht von der Konstruktion ab, die Christoph sich vorgestellt hatte. Er überlegt, ob  der Cloudbuster auch so funktionieren würde. Es werden Fotos von älteren Modellen aus dem Christophs Katalog zu Rate gezogen und mit Nabils Version verglichen. Schließlich löst Nabil kurzerhand die Verbindungen, die noch nicht gelötet sind und baut alles nach Plan A um, bis auf ein Detail, ein Endstück, das noch verschlossen oder ausgetauscht werden soll.

Inzwischen ruft Abdou für uns bei verschiedenen Hotels an und fragt nach freien Zimmern. Das Hotel, in dem wir gestern übernachtet haben ist wie erwartet komplett ausgebucht, aber im Hotel Mounia, in der Handwerksbedarf-Straße sind noch Zimmer frei. Also beschließen wir, dorthin zu fahren. Nabil beendet seine Arbeit, alles weitere wird sich im Laufe des nächsten Tages zeigen.

Das Hotel Mounia gefällt uns schließlich sogar besser, als das, in dem wir vorher gewohnt haben. Es hat einen lässigeren Charakter und ist trotzdem gut ausgestattet. Nachdem wir uns etwas ausgeruht haben, fragen wir an der Rezeption, nach einem Restaurant in der Nähe. Uns wird das Marrakesh empfohlen. Die Speisekarte bietet europäisches und marokkanisches Essen. Der Kellner spricht deutsch.

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Während des Essens überlegen wir, ob wir das Stativ aus Rabat holen sollen und welche weiteren Koordinaten damit zu verbinden wären. Der Tee, der uns serviert wird, hat eine sehr anregende Wirkung. Wenn wir das Stativ am nächsten Tag aus Rabat holen würden, vorausgesetzt es ist aufgetaucht, wären wir mindestens vier Stunden unterwegs auf einer Strecke, die wir in ein oder zwei Tagen noch einmal zurücklegen werden. Mohammed könnte dann jedoch das Stativ auf dem Anhänger fixieren.

Den ganzen Tag über hatten wir angenehmes Wetter, nur wenige Wolken, eine Formation sah aus wie ein X und Christoph meinte dazu, dass das ein Zeichen der Außerirdischen sei, die uns warnen wollen „baut ihn nicht, den Cloudbuster!“

13. März 08

Christoph steht sehr früh auf und versucht Air France in Rabat anzurufen. Er erfährt, dass das Stativ noch immer nicht eingetroffen ist.

Wahrscheinlich sind die Aufkleber verloren gegangen, so dass nicht mehr klar ist, zum wem das Stativ gehört oder wo es hin soll, denke ich mir. Christoph schreibt Rachel eine mail und bittet sie, ein anderes Stativ zu organisieren und mit nach Marrakesch zu bringen, was nicht ganz leicht sein wird, da 16 mm Stative aus der Mode gekommen sind. Bevor uns Abdou abholt fragen wir auf der Handwerkerstraße nach einer Wasserpumpe. In den Läden mit Neuwaren werden wir jedoch nicht fündig, wie schon beim letzten Mal. Ein Händler mit dem Christoph Spanisch gesprochen hatte, nachdem beide feststellten, dass sie sich in dieser Sprache besser verständigen können als auf Französisch, gibt uns den Tip, es in einem Second Hand Laden in der selben Straße zu versuchen. In einem anderen Geschäft gibt man uns den Rat es in einem Großmarkt wie Metro zu versuchen, da es in der Handwerkerstraße nur größere Wasserpumpen gäbe. Die kleinen Pumpen werden alle elektrisch betrieben. Als die Frau im Laden uns erklärt, wo wir Metro finden, stellen wir fest, dass es in der Nähe vom Industrie-Gebiet liegt, in dem wir uns die meiste Zeit aufhalten. Schließlich finden wir in dem besagten Second-Hand Laden eine schöne kleine Motorpumpe. Der Händler will 1500 Dirham dafür haben. Als Abdou und Nabil eintreffen, wird die Pumpe ausprobiert, sie ist sehr laut und produziert eine Menge Abgase, aber Christoph gefällt das Ding gut und auch den anderen und so wird die Pumpe gekauft. Nabil handelt den Preis auf 1100 Dirham herunter.

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Danach tauschen wir den Wagen aus. Wir bekommen einen Toyota Prado mit Anhängerkupplung. Der Mann von Europcar ist inzwischen sehr nett und engagiert, er betont, dass es allein ihm zu verdanken sei, dass wir diesen Wagen bekommen haben, in ganz Marokko hätte man Probleme ein solches Auto mit Anhängerkupplung in dieser kurzen Zeit aufzutreiben. Ich fotografiere ihn und Christoph bei der Übergabe auf einer Mobil Tankstelle.

Nachdem weitere Schläuche und Verbindungsstücke gekauft wurden, fahren wir zum Industrie-Gebiet, um die Arbeit am Cloudbuster fortzusetzen. Das Mittagessen findet am gewohnten Ort statt. Nach dem Essen kaufen wir einen 120 Liter Wasser-Behälter für den Cloudbuster. Christoph bespricht mit Mohammed die Ausstattung des Anhängers und was noch gebaut und geschweißt werden muss. Mohammed hat ein paar Semester Mathematik studiert. Er zeichnet seine Berechnungen mit Kreide an die Wand und auf den Boden des Anhängers.

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Zurück in Abdellahs Werkstatt probieren wir den Cloudbuster zum ersten Mal aus. Motor, Schläuche und Wasserbehälter werden miteinander verbunden und der Cloudbuster auf einem Stuhl schräg gegen den Himmel platziert. Alle sind begeistert und froh, als die Wasserzirkulation in den Rohren auf Anhieb klappt. Die Stimmung ist jetzt sichtlich besser, nachdem alle vorher relativ erschöpft waren,  was am Wetter liegen mag, da es heute den ganzen Tag recht stickig, drückend und wolkenverhangen war.

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Wir fahren zurück in unser Hotel.  In einer mail von Rachel erfährt Christoph, dass es für sie zu kurzfristig sei, in Paris noch ein Stativ zu besorgen. Sie schlägt vor es vor Ort in Marrakesh oder Casablanca zu versuchen.

14. März 08

Am Morgen sind wir mit Mohammed in seiner Werkstatt verabredet. Der Anhänger ist fertig, ausgestattet mit Halterungen für das Stativ und lackiert. Christoph hat sich inzwischen überlegt, dass das Stativ auch in die andere Richtung zeigen soll, damit der Cloudbuster vom Wagen weg weist, anstatt wie jetzt nach vorne. Während die Änderungen vorgenommen werden, warten wir in der Werkstatt, denn das Auto wird gebraucht, um die Elektrik des Anhängers zu verkabeln. Es vergehen ein paar Stunden, bis alles fertig ist. Wir fahren in die Stadt, um die Angelegenheit mit Air-France und dem verlorenen Stativ zu regeln. In der Zwischenzeit könnten Abdou und Ibrahim den Cloudbuster auf den Anhänger verladen und mit einer Plane abdecken. Sie wollen das jedoch nicht allein in die Hand nehmen, das heißt, wir müssen am Nachmittag wieder zurück ins Industrie-Viertel fahren.

Das Reisebüro, das mit der Fluggesellschaft assoziiert ist, öffnet erst wieder ab 3 Uhr nach der Mittagspause. Wir verbringen die Zeit in einem, wie sich herausstellt drittklassigen Restaurant mit nicht sehr saubern Tellern und Gläsern und einem wenig appetitlichen Essen.

Im Reisebüro treffen wir nur auf eine wenig kooperative Angestellte, die immer wieder betont, das dies nur ein Reisebüro sei, sie könne uns nur eine Telefonnummer von Air-France geben. Aber diese Telefonnummer haben wir bereits, niemand scheint hier zuständig, unsere Anrufe bleiben unbeantwortet. Es ertönt nur ein Besetztzeichen.

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Wir versuchen unser Glück bei „Royal Air Maroc“, aber auch da sagt man uns, diesmal sehr freundlich, dass nur Air France für unser Problem zuständig ist. Bevor wir das dritte Büro aufsuchen können, das man uns hier empfiehlt, ruft Abdou uns an, wir sollen doch zurück kommen, um den Cloudbuster zu verladen.

Diesmal fahren wir die Strecke zum ersten Mal allein, finden den Weg ohne Probleme, Berg rechts, kaputtes Schild links, Apotheke, Gemüsegroßmarkt.  Bevor wir den Cloudbuster verladen, muss noch eine Plane gekauft werden. Obwohl Christoph die anderen mehrmals gebeten hatte eine weiße Plane zu besorgen, scheint sich niemand darum gekümmert zu haben. Wir machen uns Gedanken, was man aus der Zusammenarbeit lernen kann. Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun oder zu organisieren ist, zumindest in diesem Falle, offenbar nicht gegeben. Im Gegenteil während der eine arbeitet, schauen die anderen zu und kommentieren die Arbeit. Sind die Arbeitsschritte jedoch bekannt und eingespielt, arbeitet jeder für sich.

Es wird schließlich eine grüne Plane gekauft und ein rosa Tau zum fixieren, andere Farben waren nicht vorrätig.

Nachdem der Cloudbuster verpackt ist, fahren wir zurück in die Stadt. Am Abend beschließen wir, ein vom Baedecker empfohlenes Restaurant aufzusuchen. Es liegt in der Medina von Fés.

15. März 08

Am Morgen, nachdem wir gefrühstückt haben – diesmal ist der Frühstücksraum voll, eine Reisegruppe aus Polen, über die unser Kellner sagt, sie sind gefährlich, warum? sie essen soviel – kaufen wir noch weitere 20 Meter Schlauch und eine kleine Pumpe, die mit Strom betrieben wird. Abdou kommt vorbei und wir fahren noch einmal die Strecke in Industrie-Gebiet, die auf unserer Reiseroute liegt, um den Anhänger mit dem Cloudbuster abzuholen und uns von unseren Helfern zu verabschieden. Um kurz nach zehn sind wir auf dem Weg nach Rabat, nicht ohne vorher noch ein paar Meter rosa Seil zu kaufen für die Sicherung des Cloudbuster. Der Himmel ist seit gestern Abend bedeckt und die Luft hat sich leicht abgekühlt. Vor unserer Abreise hat Christoph noch einen letzten Versuch unternommen, in einem Reisebüro mit Air-France Kontakt aufzunehmen. Diesmal bekommt er einen Wutanfall, der wahrscheinlich nicht so heftig ausgefallen ist wie bei unserem Vorbild, der Frau am Flughafen von Rabat. Immerhin hatten die Leute für seinen Ärger Verständnis, wie er mir später erzählt.

Auch im Flughafen von Rabat, der in Sale liegt haben wir keinen Erfolg, wenigstens darf sich Christoph in der Kammer für verlorene Gepäckstücke umschauen, und bekommt nach einigem Drängen die versprochenen 400 Dirham als vorläufige Kompensation.

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Wir nehmen die Autobahn nach Casablanca, es ist eine Mautstrecke. Als wir aus der Stadt herausfahren entdecke ich eine große einzelne Wolke am Himmel, die ich fotografiere. So verpassen wir die Autobahnausfahrt nach Marrakesch. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf der Landstraße weiter zu fahren, auf der man wesentlich langsamer vorankommt. Zum Teil darf man nur 60 km oder sogar nur 40km fahren. An einer Stelle steht ein 20km Schild und Christoph meint, so langsam könne man doch nicht fahren. Ami Barak schickt eine SMS, er sei in Marrakesch angekommen und erwarte uns. Wir schreiben zurück, dass wir unterwegs sind und in 1,5 h am Ziel. Wenn wir jedoch weiter so langsam fahren, ist das nicht zu schaffen. Die Stimmung ist etwas gedrückt. Christoph fährt seit Stunden, fast ohne Pause und es scheint erstmal keine Ausfahrt zur Autobahn zu geben. Dafür ist die Landschaft, die wir durchqueren wunderschön, besonders in der Gegend von Sittat, sanfte Wellen, grüne Äcker mit Palmen und Eukalyptus-Bäumen und rostroten Hügeln.

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Schließlich finden wir doch noch unseren Weg auf die Schnellstraße, es sind noch 70-80 km nach Marrakesch.

Bei unserer Ankunft umfahren wir die Innenstadt nördlich und biegen am Eingang des großen Souks links ab. Die berühmten rostroten Lehmmauern wirken sehr gepflegt. Von hieraus fahren wir Richtung Bab Atlas, dem Tor zum Atlas.

Das Dar al Sadaka, wo wir auf Ami und Rachel treffen sollen ist ein riesiger Palmengarten von einer Mauer umgeben mit arabisch anmutenden Gebäuden und einem Swimmingpool.

Der Wächter lässt uns passieren, Das Gelände scheint unbewohnt, ein paar Hunde verfolgen uns. Irgendwann treffen wir auf einen jungen Mann, der hier arbeitet, uns freundlich begrüßt und Tee am Pool servieren lässt. Erst nach dem Tee laufen wir Jean-François über den Weg, der uns erwartet hat und uns unsere Zimmer zeigt. Nachdem wir uns eingerichtet und erfrischt haben, treffen die anderen ein, Ami und Rachel. Schließlich wird der Abend mit einem gemeinsamen Essen beendet, an dem auch die Hausherrin Nicole, der Flamenco-Tänzer Pascal und ein weiterer Künstler namens Juri teilnehmen.

16. März 08

Dar al Sadaka. Wir frühstücken im selben Raum, in dem wir auch das Abendessen eingenommen haben. Den Vormittag verbringen wir mit der Arbeit an unseren Aufzeichnungen.

Nach dem Mittagessen treffen Rim und Ayoub ein. Jean-François zeigt seinen Gästen das Grundstück, es ist sehr groß, circa 10 Hektar. Das Gelände besteht zum größten Teil aus einer Gartenanlage, durch das ein Bewässerungssystem geleitet wird.

Rim, die Filmstudentin, erzählt, dass sie sich sehr für den Schwarzwald und die Mythologien Bayerns interessiert. Sie sei zwar noch nie dort gewesen, aber Heidentum würde sie generell interessieren. Ich spreche mit ihr über die Reste des Heidentums in Marokko. Die Regengebete, wie sie von Julius Wellhausen beschrieben werden sind ihr bekannt auch das Umdrehen der Kleidung. Es sei ein Brauch, der hier immer noch gepflegt würde.

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Am Ende unseres Rundgangs erklärt Christoph das Projekt. Wir sitzen wieder am Pool und trinken Tee. Ami Barak spricht kurz über das Projekt, dann gibt Christoph  eine kleine Einführung in Wilhelm Reichs Leben und Werk. Er erzählt von seinem eigenen „Reenactment-Projekt“ Auf dem Dach des P.S.1 in Long Island und auf dem Clock Tower Building in Lower Manhattan Im Frühjahr 2003.

Wir sprechen über die Aufgabenverteilung und die verschiedenen Kameras, mit denen wir unsere Operationen im mittleren Atlas aufzeichnen werden…Super 8 für Einzelbilder, Zeitraffer, eine kleine Videokamera und eine größere, die uns die Filmschule leihen wird. Dann geht es bereits um die Postproduktion. Christoph behält sich vor, den Schnitt von Anfang an zu begleiten, anstatt es den Filmstudenten allein zu überlassen. Die ganze Unterredung dauert kaum eine Stunde, dann werden Rim und Ayoub verabschiedet und in ein Taxi gesetzt.

Am Abend fahren wir zur Gama al Fna, dem Hauptplatz der Medina von Marrakesch. Christoph erzählt, dass sich bereits verschiedene Schriftsteller die Mühe gemacht hätten, diesen Platz zu beschreiben. Wir parken unseren Wagen auf einem bewachten Gelände, das, würde man europäische Maßstäbe ansetzen, voll geparkt ist. Wir überlassen den Auto-Schlüssel einem Parkwächter, der sich um den Wagen kümmert und in dem vermeintlichen Chaos einen Platz sichert. Auf dem Weg zur Gama al Fna flanieren sowohl Marokkaner als auch Touristen, oder sitzen auf Bänken und beobachten das Treiben, dazwischen immer mal ein wieder ein Geldkautomat.

Auf dem großen Platz, den wir nur ansatzweise betreten soll es unter anderem auch Schlangenbeschwörer geben, wir werden aber nur von einer Holzschlange erschreckt, die ein Junge zum Kauf anbietet.

Christoph geht es nicht sehr gut, er schreibt dies einer möglichen DOR Wolken Vergiftung zu. Die Symptome sprechen dafür…Mattigkeit gepaart mit Rastlosigkeit, Mutlosigkeit, schwärzliche Diarrhöe, Trübsal, Druckgefühl im Kopf regelmäßigen starken Durst und Hitzewallungen.

17. März. 08

Rachel fährt mit dem Taxi zur Filmschule, um das Equipment zusammenzustellen und sich um ein Stativ zu kümmern. Christoph geht es offenbar schlechter. In der letzten Nacht wurde er von Durchfall und Erbrechen geplagt. Er verzichtet auf ein Frühstück und nimmt nur Medikamente und Coca Cola zu sich.

Auf dem Weg zur Filmschule, machen wir an einem Fotogeschäft halt. Ich frage nach 16 mm Stativen. Es werden nur sehr leichte Modelle für Hobbyfotografen angeboten. Immer wieder sagt man uns, dass 16 mm Stative nur in Casablanca zu finden seien. Eine Verleihfirma verlangt jedoch 400 € die Woche. Die Versuche, das immer noch verlorene Stativ zu ersetzen sind bisher alle zum Scheitern verurteilt, die ganze Geschichte inklusive der verschiedenen Missverständnisse wird langsam sehr unübersichtlich zumal jetzt auch Ayoub, der Student und Rachel involviert sind.

In der „Metro“ versuchen wir Hefte für unsere Aufzeichnungen zu besorgen, Christoph kann sich kaum noch auf den Beinen halten.

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Nachdem wir unser Equipment in der sehr modernen Filmhochschule abgeholt und verladen haben, sind wir zunächst ratlos, da immer noch ein sehr essentielles Teil für den Cloudbuster fehlt. Während einer strategischen Beratungssitzung im Café Sucre et Canelle, hat Christoph eine plötzliche Eingebung. Er erinnert sich bei seinem letzten Aufenthalt in Marrakesch bei Jean-Noel, in dessen Hotel er gewohnt hatte, ein entsprechendes Stativ gesehen zu haben. Es wird wieder telefoniert, bis sich herausstellt, dass das besagte Stativ inzwischen zur Stehlampe umgebaut wurde und im übrigen aus Holz ist.

Inzwischen ist Mittagszeit. Wir fahren zum Lunch in die Filmhochschule zurück, wo Rachel über das Internet in den Gelben Seiten von Marokko recherchiert, ohne Ergebnis. Also brechen wir auf nach Amezmiz, um von da aus zu dem eigentlichen Ziel unserer Reisezu fahren, Tizfrit, einem kleinen Dorf im Mittleren Atlas . Dort erwartet uns Hisham auf seinem kleinen Anwesen. Es ist bisher nur über eine holprige, ungepflasterte Straße zu erreichen. Das Gästehaus mit vier Zimmern und zwei Bädern ist gerade erst fertig gestellt worden.

Pünktlich um fünf  trinken wir Tee auf dem Dach des Gästehauses. Hisham erzählt von einer Krankheit, die einige seiner Olivenbäume befallen hat und die man La Laine, die Wolle nennt, sie bricht aus, wenn es bewölkt ist, aber nicht ausregnet, nach einer Weile setzt sich dann etwas weißes, spinnenwebartig-schaumiges an den sprießenden Oliven ab, daher der Name.

Christoph ruht sich aus, sein Zustand hat sich nicht gebessert. Rachel erkundet das Dorf und ich unterhalte mich mit Ayoub vor dem Haus.

Um halb acht wird das Essen serviert, Cous Cous. Auch beim Essen geht es Christoph nicht besser, sein Blick wirkt noch sehr angestrengt und verengt.

Hisham erzählt von einem Brunnen, der mit Mitteln der Foundation Fourtou gebaut wurde und dessen Wasserspiegel von 80 auf 152 Meter gesunken sei. Inzwischen würde daraus nur noch ein Sand-Wassergemisch gefördert. Der Brunnen brührt vielleicht einen unterirdischen Fluss. Seit sechs Monaten gäbe es bereits kein reines Wasser mehr. Bevor der Brunnen gebaut wurde, hätten die Bewohner ihr Wasser nur aus Regenreservoirs geschöpft, die bedingt rein waren und Mikroorganismen enthielten.

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Ich frage Hisham, ob er das Regengebet und im Zusammenhang damit das Umdrehen der Gewänder bekannt sei. Er bejaht und erklärt, dass das Regengebet bereits vorislamisch sei und auch unter den Berbern praktiziert würde, heutzutage

würde der König als weltliches und geistiges Oberhaupt der Marokkaner bestimmen, wann das Regengebet gesprochen würde.

Das letzte Gespräch an diesem Abend dreht sich wieder um das Stativ.

Schließlich misst Rachel Christophs Temperatur mit Hilfe eines Thermometers, das auf die Stirn geklebt wird. Es zeigt „über 38 Grad“.

18. März 08

Wir frühstücken gegen acht Uhr vor dem Haus. Es gibt Nescafé, Brot, Olivenöl, Honig, Marmelade und eine Art „La Vache qui rit“.

Als erstes steht ein Besuch beim Kreisleiter auf dem Programm, der über unser Projekt informiert werden muss und uns persönlich kennen lernen soll. Der Termin  ist für 9:30 Uhr angesetzt. Wir müssen jedoch eine ganze Weile draußen vor dem flachen Amtsbau warten. Der Platz vor dem Haus ist durch einen Schlagbaum gesichert. Nach und nach treffen immer mehr Leute ein, die beim Kreisleiter vorsprechen wollen. Sie warten an die Wand gelehnt draußen auf dem Vorplatz.  Schließlich sind wir an der Reihe. Der Kreisleiter empfängt uns in seinem Büro. Vor dem Schreibtisch sind links und rechts Stühle in einer Reihe platziert. In der Mitte steht ein Tisch mit Broschüren. Wir setzen uns und der Kreisleiter stellt Fragen. Hisham erklärt ihm auf Arabisch, dass es um ein Gerät ginge, das Regen machen soll und dass dieses Projekt durch die Fondation Fourtou bzw. deren Baraka Stiftung finanziert würde. Als es um den Cloudbuster geht und dass damit die Wolken anvisiert werden, um es regnen zu lassen, schmunzelt der Kreisleiter. Auf die Frage, wie lange wir hier sein werden, antworte ich auf Arabisch. Daraufhin fragt er mich direkt etwas, sieht mich jedoch nicht an, sondern schaut mit seinem Silberblick ins unbestimmte Überall. Auch Ayoub stellt sich vor und sagt, dass er von der Filmhochschule in Marrakesch kommt. Der Kreisleiter macht sich Notizen. Schließlich ist die Audienz beendet und wir verabschieden uns.

Unserer nächster Programmpunkt ist das Café Anouar, in dem Hisham, wie er sagt, seine Geschäfte erledigt, d.h. Leute trifft, und Neuigkeiten erfährt. Er stellt mir ein paar Männer vor, die für ihn gearbeitet haben, einer von ihnen ist Poet und macht Stehgreifgedichte, obwohl er weder lesen noch schreiben kann. Hisham sagt, dass bald alle über das „Téléphone Arabe“ informiert würden, dass er mit einer fremden Frau im Café  sitze, während seine Gattin Laurence in Paris weilt.

In der Zwischenzeit versuchen Christoph und Rachel weiterhin die Stativ-Geschichte zu klären, vom Internet-Café aus, das hier Cyber-Café heißt. Christoph telefoniert mit Braunschweig und fragt nach, ob man ihm von dort aus ein anderes Stativ, das ihm gehört, nach Marrakesch schicken kann.

Wir besuchen den Markt von Amezmiz, der jeden Dienstag stattfindet. Hier wird Gemüse verkauft, aber auch frisches Fleisch und Geflügel. An einer anderen Stelle kann man Lasttiere kaufen oder Hufe beschlagen lassen. Es gibt Sättel für Esel und Transportkörbe.

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Gegen Mittag ziehen Wolken auf. Christoph erhält einen Anruf aus Braunschweig.  Der Transport des Stativs würde mindestens 500 € kosten, sollte es in einer Woche in Marrakesch eintreffen. Billiger sei sogar ein Flug mit einer „Begleitperson“. Die Sekretärin vom Braunschweiger Kunstverein bietet an, ihren Osterurlaub zu verschieben. Wir fahren zurück zum Mittagessen nach Tizfrit. Nach einer Pause wird mit dem Aufbau des Cloudbusters für eine erste Operation begonnen. Sie soll direkt auf Hishams Grundstück stattfinden. Der Cloudbuster wird Richtung Atlas-Gebirge platziert. Es gibt auch hier wieder Mitarbeiter von Hisham, die beim Aufbau behilflich sind. Da das geliehene Stativ aus der Filmhochschule ist nicht stabil genug ist, wird der Cloudbuster zusätzlich mit Holz abgestützt. Die Operation wird von mehreren Kameras aufgezeichnet. Die Super 8 Kamera nimmt vom Dach aus Einzelbilder auf. Die kleine Video-Kamera filmt in Intervallen vom Stativ. Ayoub versucht die Operation mit der Hand-Kamera zu dokumentieren. Gegen Nachmittag ziehen wieder Wolken auf, die Temperatur sinkt. Der erste Teil  der Operation erfolgt mit Motorpumpe, danach kommt die Elektropumpe zum Einsatz. Jetzt ist der Klang der Wasserzirkulation im Cloudbuster zu hören, da die Elektropumpe keine lauten Nebengeräusche verursacht. Nach kurzer Zeit sind  bereits Veränderungen im Wolkenbild zu beobachten. Am späten Nachmittag unterbricht Christoph die Operation, sie soll über Nacht fortgesetzt werden.

Inzwischen wurde der Entschluss gefasst, ein Stativ von einem der hiesigen Handwerker bauen zu lassen, statt sich weiter um das Verlorene zu kümmern oder  ein Ersatz-Stativ aus Braunschweig oder Casablanca zu ordern.

Christoph geht es inzwischen wieder besser. Dadurch fällt es ihm leichter,  die Lage zu überblicken und Entscheidungen zu treffen.

Über unsere Helfer hier vor Ort, wird schnell ein Handwerker gefunden, der ein Stativ aus Stahl bauen kann. Bevor der Mann eintrifft, erklärt Christoph Fahd, einem Kollegen von Hisham, wie er sich Größe und Form des Stativs vorstellt. Fahd hat eine Idee, wie die beweglichen Scharniere bei Bedarf arretiert werden können. Kurz darauf trifft bereits Rashid ein, der Mann, der das Ganze bauen bzw. schweißen soll. Es wird Maß genommen und Berechnungen angestellt.

Die Super 8 Kamera auf dem Dach zeichnet weiter das sich verändernde Wolkenbild auf.

Vom Turm des Gästehauses, der ein Wasserreservoir enthält, hat man einen Ausblick auf die gesamte Talebene. Es gibt weder eine Autobahn, noch eine größere Straße, die die Ruhe oder Sicht stört. Der Anblick gleicht den Ideallandschaften mittelalterlicher Gemälde.

Vor dem Abendessen erhält Rachel einen Anruf und entschließt sich, einer Einladung zu folgen und nach Marrakesch zu fahren, am nächsten Morgen will sie wieder zurück sein.

Beim Abendessen, es gibt Tajine mit Huhn und Gemüse, zeigen uns die Marokkaner wie sie nur mit Brot, ohne Besteck, gemeinsam aus einer Schale essen. Christoph und ich ziehen es vor, es ihnen erstmal nicht nachzumachen, vielleicht beim nächsten Mal. Hisham ist genau wie ich erkältet und verspricht, mir eine Erkältungsmedizin zu geben, die über Nacht Wunder wirkt. Er verabschiedet sich nach dem Essen und will gleich zu Bett gehen. Christoph und Fahd fertigen eine Zeichnung an, nach der Rashid am nächsten Tag das Stativ bauen kann.

Der Cloudbuster wird über Nacht weiter operieren.

19. März 08

Ayoub hat von Christoph die Aufgabe erhalten, in der Nacht den Super 8 Film zu wechseln, damit weiter Zeitraffer-Aufnahmen gemacht werden können. Gegen 4:30 werden wir anderen von Ayoubs schweren Schritten wach.

Am Morgen ist der Himmel bedeckt, die Temperatur liegt bei 15 Grad, die Luftfeuchtigkeit beträgt 76 %. Nach dem Frühstück zeigt uns Fahd seine technische Zeichnung, von der ausgehend Rashid das Stativ bauen soll. Die Temperatur steigt langsam an und der Luftdruck sinkt, der Himmel ist immer noch bedeckt. Als vor unserem Aufbruch nach Amezmiz die Pumpe des CLoudbusters abgeschaltet wird, sehen wir, dass sich am Schwimmer und den Schläuchen eine grüne Stubstanz abgesetzt hat. DOR?

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Wir fahren zum Workshop von Rashid in Amezmiz. Er liegt in einer relativ schmalen Straße mit verschiedenen Geschäften und Werkstätten, nebenan ist der Friseurladen von Rashids Bruder, ein Stück weiter werden Turnschuhe angefertigt. Rashid macht sich sofort an die Arbeit. Er sägt zunächst die Rohre für das Stativ, dann wird wieder vermessen, mit Kreide auf den Boden gezeichnet und nach kurzer Zeit ist die Basis des Stativs erkennbar. Christoph und ich warten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es ist inzwischen wärmer geworden, die Sonne scheint. Fahd und Ayoub sind alleine unterwegs. Christoph hält sich bereit für Rashid, eventuelle Fragen zu klären. Die Arbeit geht sehr schnell voran. Während des Wartens bewundern wir das handwerkliche Geschick der Leute. Viele Dinge, die man in Deutschland als Industrieware im Laden kaufen würde, werden hier kurzerhand an der Werkbank gefertigt. Vieles wird ganz selbstverständlich wiederverwertet oder repariert.

Fast jeder, der vorbeikommt begrüßt uns, während wir auf den Stufen vor einem Laden in der Sonne sitzen. Alle sind sehr höflich, ein kleiner Junge bietet mir einen Stuhl an.

Um 12 Uhr fahren wir zum Café Anouar, unserem Treffpunkt. Rachel ist bereits vor einer knappen Stunde mit dem Minibus aus Marrakesch eingetroffen. Der Bus fährt die Strecke mehrmals täglich und das sehr schnell, wie Rachel sagt. Wir machen Pläne für die nächsten Tage. Nachdem wir uns einig sind, dass wir zunächst ohne Publikum arbeiten werden, d.h. nicht auf einem Dorfplatz, lädt uns spontan der Leiter einer Assoziation aus Oued Akar für den nächsten Tag zum Essen ein. Rachel hatte sich mit dem Mann unterhalten und sagt, dass außer uns noch 300 Leute am Essen teilnehmen werden. Am nächsten Tag ist Mawlid, der Geburtstag des Propheten. Ich frage, wie diese Fest hier gefeiert würde und Fahd erklärt, dass sich die Familien gegenseitig besuchen, wie an anderen Feiertagen.

Wir fahren zurück zum Haus. Der Luftdruck ist weiter gefallen auf 56%, das Thermometer zeigt 19 Grad. Nach einer kurzen Siesta fahren wir wieder Richtung Amezmiz, um die Gegend zu erkunden. Unterwegs steigen wir aus und filmen die Landschaft und die Wolken am Himmel. Aller Wahrscheinlichkeit wird es regnen, so ist zumindest die Meinung von Fahd und Hisham. Für uns ist der Anblick der Wolken ein dramatisches Schauspiel, man weiß nicht, wohin es sich entwickelt, immer wieder reißt der Himmel auf, und die kommt Sonne hervor, insgesamt sind die Temperaturen jedoch gesunken, seit unserer Ankunft in den Bergen.  Als uns ein alter Mann fragt, was wir hier in Amezmiz zu tun hätten, und wir ihm daraufhin erzählen, dass wir versuchen, mit einer Maschine Regen zu machen, sagt er gelassen: es wird passieren, es wird passieren.

Wir fahren weiter Richtung Tizgin auf der Suche nach einem Platz, von dem aus man eine gute Aussicht auf die Talebene hat, das Wetter beobachten und eventuell eine weitere Operation starten kann.  Wir fahren eine ungepflasterte Straße hinauf, von der aus es linker Hand sehr steil bergab geht. Oben auf einem Plateau halten wir, und Christoph stellt die Videokamera auf. Sofort kommen ein paar Kinder, die hier in einer kleinen Ansiedlung wohnen. Eines der Kinder ist vielleicht zwei Jahre alt, aber körperlich schon sehr koordiniert. Rachel sagt, dass das Kind wahrscheinlich nie in einer Karre gesessen hätte und und spazieren gefahren wurde. Hier trägt man die kleinen Kinder viel auf dem Rücken. Sie klammern sich dann um den Hals der Mutter. Mann sieht auch sehr viele Männer, die ihre Kinder umhertragen.

Christoph filmt ein Tal in der Ferne, das einsam von der Sonne beschienen wird. Er wartet, bis auch das Tal im Schatten liegt. Inzwischen sind noch mehr Kinder hinzugekommen. Sie alle begrüßen uns mit „bonjour“.

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Auf dem Rückweg entdecken wir noch ein zweites Plateau, diesmal ohne Häuser. Fast überall auf den Wegen, sehen wir Schafe oder Ziegen und immer mindestens zwei Leute, die sie hüten. Am Abend, als wir in Tizfrit eintreffen sehe kleine Mädchen und Jungen, die bündelweise grüne Kräuter pflücken und nach hause tragen. Ich frage mich, was sie da pflücken, Pfefferminze?

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Die Wolken werden immer dunkler, dunkelgrau, und ziehen sich zusammen. Als wir das Grundstück von Hisham erreichen zeigt das Thermometer nur noch 14 Grad.

Vor dem Abendessen macht Christoph noch Aufnahmen vom Himmel, ich ziehe mich zurück, um in Ruhe an meinem Bericht zu schreiben. Es ist so kalt, dass, dass ich mich zum Aufwärmen ins Bett lege. Kurz vor dem Abendessen trifft Hishams Ehefrau Laurence ein. Ich frage sie sofort nach dem Wetter in Paris . Sie sagt, es sei sehr kalt, unter zehn Grad, die Leute tragen Wintermäntel. Übermorgen ist Frühlingsanfang. Laurence meint dazu, dass es auch hier in den Bergen zu kalt sei für die Jahreszeit. Im Januar und Februar sei es am Tage wärmer gewesen. Nach dem Abendessen ruft uns Hisham nach draußen. Ein schwarzer Kreis aus Wolken hätte sich am Himmel gebildet. Wir sollten uns das unbedingt ansehen. Wir laufen hinaus und steigen auf das Dach des Gästehauses. Tatsächlich, über dem Tal hat sich ein schwarzes Wolkenband gebildet. Hisham sagt immer wieder, dass er so etwas hier noch nie gesehen hätte, das sei wirklich einmalig. Christoph filmt ihn wie er aufgeregt über das Ereignis spricht, man sieht ihn kaum, es ist inzwischen ziemlich dunkel geworden.

Ich gehe sehr früh schlafen, weil mich plötzlich eine große Müdigkeit und ein leichter Schwindel befällt. Ich schlafe sofort ein, träume aber intensiv, so dass ich irgendwann davon erwache. Es ist kurz vor Mitternacht. Ich brauche frische Luft, das Zimmer ist sehr stickig. Um wieder zu mir zu kommen, öffne ich das Fenster und atme tief durch. Durch das offene Fenster höre ich, wie der Regen fällt, ganz leicht und gleichmäßig. Ich kann es kaum fassen und laufe sofort hinaus auf die Terrasse, um zu sehen, ob ich mich nicht getäuscht habe. Tatsächlich es regnet, und der Regen ist angenehm warm, so erscheint es mir wenigstens. Ich habe nicht einmal meinen Mantel übergezogen, so laufe ich nur im Schlafanzug um das Haus herum und versuche Christoph zu wecken. Ich klopfe an seine Tür und rufe immer wieder laut, „Christoph es regnet!“ Er scheint tief zu schlafen und mich nicht zu hören. Ich laufe von Tür zu Tür und versuche auch die anderen zu wecken. Schließlich steht Christoph auch draußen auf der Terrasse. Wir sind wirklich aufgeregt und  laufen im Regen umher als hätten wir so etwas noch nie gesehen und erlebt.  Christoph versucht das Ereignis mit der Video-Kamera festzuhalten. Durch das Display der Kamera, die auf Nightshot gestellt ist  wirkt der Cloudbuster wie Ding vom anderen Stern. Bald sind ziemlich durchnässt, aber überglücklich, dass die erste Operation so erfolgreich war.

20. März 08

Heute ist Mawlid, Geburtstag des Propheten. Beim Frühstück erzählen Hisham und Laurence, dass es um 4:30 Uhr in der Nacht ziemlich stark  geregnet hätte. Rachel ist bereits unterwegs, um Rim aus Amezmiz abzuholen. Hisham sagt, das Essen in Oued Akar nicht statt findet, es müsse da ein Missverständnis zwischen dem Leiter der Assoziation und Rachel gegeben haben, da es nie eine Einladung für 300 Gäste gegeben habe. Rachel hatte bereits einen Briefumschlag besorgt, in den man 200 Dirham als Gastgeschenk gelegt hätte, ein Tip von Hisham, oder vielleicht auch ein Missverständnis. Ich wundere mich laut, warum man uns erst ein und dann wieder auslädt, da doch bereits gestern klar war, dass heute der Geburtstag des Propheten sein würde. Laurence sagt, das sei eben Marokko, hier ändert man seine Meinung, wenn einem danach ist. Wir sind froh über diese Wendung. Als Rachel mit Rim eintrifft, werden Pläne für die folgenden Tage gemacht. Ich fahre mit Christoph und Fahd nach Amezmiz, um das Stativ abzuholen. Es ist ein matt schwarz lackiertes Kunstwerk geworden. Rashid hat sogar Teile einer Satelitenschüssel eingebaut, die Einkerbungen und Zahlen anzeigen. Um die Positionen besser halten zu können, bringt Rashid Flügelschrauben an, die er kurzerhand selbst anfertigt. Am Ende wird der Preis für das Stativ genannt, 365 Dirham für Material und Arbeit, das ist zufälligerweise genau der Betrag, den die Fluggesellschaft als erste Kompensation für verlorene Gepäckstücke zahlt. Wir fahren zurück zum Dar-al-Schurafa, so heißt das Anwesen von Hisham und Laurence, wie ich jetzt erfahre. Es folgt eine Sitzung mit Rim, Ayoub, Rachel und mir, bei der Christoph allen noch einmal die Entwicklung des Projekts erklärt und worauf es in den nächsten Tagen ankommt. Wir gehen die Funktionen der verschiedenen Kameras durch, bevor wir abfahren, um eine Operation außerhalb des Grundstücks zu starten.

Die Luftfeuchtigkeit beträgt 45% und die Außentemperatur liegt bei 19 Grad. Der Himmel ist bewölkt, es gibt nur wenig Sonnenschein.

Gegen Mittag wird der Cloudbuster abgebaut und für die Abfahrt bereit gemacht.

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Wir erreichen ein kleines Plateau, das für die zweite Operation geeignet scheint. Der Ort liegt flußaufwärts Richtung Oued Akar, dem nächsten Dorf am gleichnamigen Wadi. Der Cloudbuster wird in Position gebracht und die Super 8 Kamera aufgestellt, um aus der Distanz Zeitraffer-Aufnahmen, der Aktion zu machen.

Rim und Ayoub haben Probleme mit der zweiten Video-Kamera, bekommen die Sache jedoch in den Griff. Wir machen eine kleine Pause und essen die mitgebrachten Sandwiches.

Nach der Pause beginnt die eigentliche Operation. Christoph, Fahd und Hisham positionieren den Cloudbuster und visieren bestimmte Wolken an. Diesmal kommt der Benzin-Motor zum Einsatz. Das Ganze dauert zehn Minuten. Danach findet eine kurze Lagebesprechung statt, dann folgen zwei weitere Versuche. Beim letzten werden zur Unterstützung die Jacken umgedreht, nach vorislamischen heidnischen Vorbild des Regengebets.  Christoph und Hisham tragen beide rote Jacken, die sie jetzt von innen nach außen gedreht haben. Alle drei schützen sich mit den gelben Arbeitshandschuhen aus dem Baumarkt.

Nach Ende der zweiten Operation fahren wir zurück zum Haus. Unterwegs erzählt Laurence, dass ihr das Leben in Tizfrit gefällt, weil man hier so fern von allem ist. Sie sagt, dass sie das Gefühl habe, dass in Paris jeder nur noch an sich selbst denke, nicht in größeren Zusammenhängen oder sich um die Belange der anderen kümmere. Hier im Dorf gäbe es eine Solidarität, die Leute würden sich gegenseitig helfen und unterstützen, vielleicht, weil sie arm sind, sagt Laurence.

Zurück im Dar-al-Schurafa, wird über ethische Fragen im Dokumentarfilm diskutiert, Rachel Ayoub und Rim bilden eine sehr engagierte Gesprächsrunde. Die Diskussion setzt sich bis zum Abendessen fort und wird auch danach noch weiter geführt. Es geht hauptsächlich um den nächsten Tag, die dritte Cloudbuster-Operation und die Aufnahmen in Tizfrit mit den Bewohnern des Dorfes.

Schon vor dem Abendessen fängt es wieder an zu regnen, diesmal noch stärker als beim ersten Mal.

Der Regen hält an und Hisham erzählt, dass es 1986 von einer Flut im Dorf gegeben hätte, bei der der trockene Wadi zum reißenden Strom wurde. Die Bewohner von Tizfrit konnten sich ins Gebirge retten. Jedoch eines der Gebäude wurde fast vollständig zerstört und steht jetzt als Ruine am Ufer des Wadi. In Tizfrit rechnet man mit solchen Regenfällen und ist darauf vorbereitet. So etwas geschieht alle paar Jahre, vielleicht alle zehn Jahre, sagt Hisham.

21. März 08

Heute steht die dritte Operation auf dem Dorfplatz von Tizfrit bevor. Nach dem Frühstück mache ich mit Christoph einen Rundgang. Der Weg führt über den trockenen Wadi zum Zentrum des Dorfes, an dem sich eine Moschee, ein Hamam, eine Teleboutique und zwei weitere kleine Läden befinden. Die Waren der Händler werden durch ein kleines Fenster gereicht. Vom Dorfplatz aus, der direkt am Wadi liegt geht es leicht bergauf. Auf der anderen Seite ist die Schule, ein Gebäude, das man leicht erkennt, da auf die Außenwände Zahlen gemalt sind, und es sich auch architektonisch von den anderen Gebäuden im Dorf unterscheidet. Vielleicht ist es ein Fertighaus, alle Schulen, die wir hier in der Gegend gesehen haben sehen im Prinzip gleich aus. Diese Schule besteht nur aus einem Klassenzimmer. Christoph macht ein Foto, an der Wand ist eine große Abbildung von Daisy Duck zu sehen. Vor der Schule spielt eine kleine Gruppe von Jungen Fußball. Sie sind zwischen vier und sechs Jahre alt. Einer der Fußbälle ist schon völlig zerschlissen und kaum noch als Ball zu erkennen. Die Jungs spielen trotzdem damit und sogar sehr gut. Keines der Kinder trägt feste Schuhe, sondern nur die üblichen Gummilatschen. Ein paar Frauen kommen hinzu und begrüßen uns. Wir machen uns verständlich und erfahren, dass die Schule wegen der Feiertage geschlossen ist. Schließlich  taucht noch ein Mann auf der etwas Französisch spricht. Er sagt, sein Name sei Hussein. Eine der Frauen stellt er uns als seine Mutter vor, was diese mit einer Geste unterstreicht, die wohl „gesäugt werden“ bedeutet. Dabei steckt sie den Zeigefinger kurz in den Mund, spitzt die Lippen und strahlt und freundlich an. Eine Einladung zum Tee lehnen wir höflich ab und machen uns auf den Weg, den Rest des Dorfes zu sehen. Zwei der kleinen Fußballspieler folgen uns, sie haben einen etwas besseren Ball und hören nicht auf, ihn sich gegenseitig zu zu spielen.

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Auf einem der Türme ist ein Storchennest und sogar ein Storch, des es bewacht. Im Grunde kein Ungewöhnlicher Anblick in einem Dorf, in dem überall Tiere sind, Schafe, Esel, Hühner und Ziegen, die Wachhunde nicht zu vergessen. Nachdem Christoph eine passende Stelle ausgesucht hat, um den Cloudbuster aufzustellen, machen wir uns auf den Rückweg, immer noch gefolgt von den beiden kleinen Fußballspielern. Der kleinere ist besonders wendig und schnell, er kann sogar Rad schlagen. ICh frage ihn, wie alt er ist, er sagt vier, und sein Freund? Fünf Jahre. Der    Fünfjährige fällt schließlich ziemlich schmerzhaft auf den Rücken im Einsatz um den Ball, was er jedoch mit Haltung nimmt, keine Träne! Man sieht ihm aber an, dass es sehr weh getan hat.

Auf dem Weg zu Hishams Haus begegnen wir noch ein paar jungen Männern von denen einer sehr schön auf einer alten roten E-Gitarre ohne Strom oder Verstärker spielt. Statt Kapodaster hat er einen Kugelschreiber am Griffbrett befestigt. Die Melodien, die er auf den hohen Saiten spielt klingen sehr orientalisch. Er fragt, ob wir das Lied kennen. Leider nicht, aber es klingt sehr schön.

Hisham kommt zurück aus Amezmiz und erzählt, was die Leute über das Wetter gestern gesagt hätten. Die Leute aus den Bergen, das heißt die Berber, hätten gesagt, dass es nur begrenzt im Umkreis der Cloudbuster Operation geregnet hätte. Normalerweise würde es in den Bergen schneien und dann im Tal ausregnen. Hisham sagt, er hätte mit fünf verschiedenen Leuten gesprochen, alle seien erstaunt gewesen, es sei wie eine Welle gewesen, es gäbe ein großes Interesse für diese Maschine.

Nach dem Mittagessen machen wir uns bereit zum Aufbruch. Das gesamte Filmequipment wird verpackt, um das Ereignis zu dokumentieren.

Auf dem Dorfplatz bauen Christoph, Fahd und Hisham den Cloudbuster am Rand des Wadi auf. Die Autos werden abseits geparkt. Es sind sofort Männer da, die helfen Wasser aus dem Hamam zu holen. Relativ schnell sind die Dorfhonoratioren eingetroffen, um dem Schauspiel beizuwohnen. Bevor die Operation beginnen kann, wird Tee serviert und getrunken. Das Tablett steht nun direkt zwischen dem Cloudbuster und den Dorfhonoratioren. In einiger Entfernung hat sich eine Gruppe von Frauen und Mädchen versammelt, die jungen Männer stehen vor dem kleinen Krämerladen und beobachten das Ganze. Als der laute Motor der Wasserpumpe angelassen und der Cloudbuster gegen den Himmel gerichtet wird, nehmen die Kinder  erst einmal Abstand, schwirren dann aber über den ganzen Platz und haben offenbar ihren Spaß.

Hisham übernimmt die Aufgabe, den Männern aus Tizfrit, die sich direkt neben dem Cloudbuster wie in er Abordnung aufgestellt haben, die Funktion des Geräts zu erklären. Er stellt auch alle Beteiligten vor und erläutert ihre verschiedenen Aufgaben.  Vor jeder Operation wird die Wetterbewegung beobachtet und eine Wolke ausgesucht, auf die dann der Cloudbuster gerichtet wird. Der erste Teil der Operation geht in ost-nord-östlicher Richtung. Das ist fast über der Spitze des Minaretts der Moschee.

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Eine Lagebesprechung folgt, an der sich auch einer der älteren Männer aus dem Dorf beteiligt und mit Kennerblick den Zustand der Wolken beurteilt. Nach kurzer Zeit, hat sich über dem Minarett bereits ein schwarzes Wolkenband gebildet. Ein zweiter Versuch folgt, danach wieder eine Lagebesprechung. Bei dem dritten Versuch springt der Motor nicht an, einer der Dorfältesten weiß jedoch Rat, schließlich läuft der Motor wieder und es fallen die ersten Regentropfen. Zur Unterstützung der Operation werden die Jacken gewendet. Einiger der Zuschauer machen sogar mit, sie lachen und fragen „einfach so, ohne Gebet?“ Der Chef des Dorfes ist inzwischen auch eingetroffen und es entsteht eine etwas offizielle Gesprächsrunde. Leider kann ich nicht hören, über was da verhandelt wird, da ich die Szene aus der Distanz mit filme. Ayoub, der Filmstudent, der sich mehrmals als sympathischer Trampel erwiesen hat, schiebt den Dorfchef in Unkenntnis seines Amtes beiseite, um an der selben Stelle sein Kamerastativ zu platzieren.

Die Operation nähert sich ihrem Ende, der Erfolg ist offensichtlich, die dunklen Wolken werden bald ausregnen, die ersten Anzeichen sind bereits da.  In der Richtung, in die der Cloudbuster nicht gezielt hatte, ist der Himmel noch blau und nur leicht bewölkt.

Am Ende wird Christoph von den Kindern und Jugendlichen wie ein Held gefeiert, sie rufen laut seinen Namen und wollen sich mit ihm fotografieren lassen. Ich verabschiede mich erschöpft, da mich immer noch ein starker Schnupfen plagt, auch ein Resultat des Wettermachens, wie mir scheint.

Gegen fünf Uhr ist die gesamte Crew zurück im Dar-al-Schurafa. Es wird Tee getrunken und wir sehen uns die Aufnahmen vom Dorfplatz an. Leider hat Ayoub sein Versprechen nicht gehalten und kaum ein Bild steht mindestens acht Sekunden. Zudem hat er sich immer wieder mit seinem breiten Rücken vor mein Objektiv gestellt, so dass ich die Szene mittendrin abbrechen musste. Darauf angesprochen, weiß er sich jedoch mit etlichen Erklärungen charmant aus der Affäre zu ziehen. Er sagt, dass seine Schwächen auch seine Stärken seien und das mit einer fast prophetischen Überzeugungskraft.

Am Abend regnet es wieder, was wir inzwischen mit Gelassenheit hinnehmen. Die Aufregung der ersten Regennacht ist einer erschöpften Zufriedenheit gewichen.

Hisham lässt sich zum Abendessen entschuldigen, er hätte Depressionen, weil sein Hund wieder weggelaufen ist, diesmal sei es ernst, da er einer läufigen Hündin gefolgt ist und irgendwo in den Bergen verschwunden. Selbst Hisham, der sich sehr gut auskennt als ehemaliger Bergführer, hat nicht finden können.

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Inzwischen ist der Regen so stark, dass er durch undichte Stellen im Dach eindringt. Im Flur des Hauses hat er sogar eine kleine Überschwemmung verursacht. Fahd stellt einen Eimer unter die Stelle, an der es hineinregnet. Das Geräusch des Wassertropfens ist so laut, dass wir Musik hören um es zu übertönen.

Ich gehe früh zu Bett, um meine Erkältung zu kurieren.

22. März 08

Am Morgen nach dem Frühstück ist der Himmel wieder fast wolkenlos. Die Sonne scheint. Heute ist ein Ausflug in die Berge geplant, bei dem wir den Cloudbuster aufstellen wollen, wahrscheinlich jedoch ohne ihn richtig zum Einsatz zu bringen. Vom Regen haben erst einmal alle genug.

Es sind 19 Grad, als wir losfahren.  Auf der ungepflasterten Straße von Tizfrit, die nach Amezmiz führt, haben sich einige sehr große Pfützen gebildet, die wir jetzt vorsichtig durchfahren. Nach einem kurzen Stop in Amezmiz, wo wir unsere Reifen aufpumpen lassen, geht es weiter ins Gebirge. Unsere Gruppe hat sich auf zwei Autos verteilt, Rachel und Rim fahren auf der Ladefläche des Pickups mit. Bei uns sitzen Ayoub und der Koch Mohammed, dessen Dorf wir heute besuchen wollen, auf der Rückbank. Das Dorf liegt auf dem Weg nach Imi ’n‘ Tela, in einem Tal mit einer sehr fruchtbaren Flußlandschaft. Der Fluß ist zwar nicht sehr breit im Moment, aber ziemlich wild und sehr kalt. Er hat eine graue Farbe. Als wir Mohammeds Dorf erreichen, sehen wir Frauen, die ihre Wäsche im Fluss waschen. Auch hier sind überall domestizierte Tiere zu sehen. Als erstes werden wir zum Tee auf dem Dach eines der Häuser eingeladen. Ein Teppich wird ausgerollt und Kissen bereit gelegt. Schließlich bringt jemand ein Tablett mit einer Teekanne, grünen Tee, frischer Minze und einen Teller voller Zuckerbrocken sowie einem Zuckerhut. Hisham leitet die Teezeremonie.  Vor unseren Augen wird alles zubereitet, Farbe und Geschmack des Tees geprüft, bis alles seine Richtigkeit hat. Zum Tee wird ein Teller mit Gebäck und Datteln gereicht.

Vom Dach aus können wir das Tal überblicken. Hisham stellt uns den Hausherren vor, einen im Moment eher schüchternen Mann von vielleicht dreißig Jahren. Dieser Mann hätte die schönste Frau im Dorf erobert und geheiratet, sagt Hisham. Ihre langen Haaren reichten bis zum Boden, und wenn sie sie morgens um fünf Uhr draußen gewaschen hätte, seien alle jungen Männer aufgestanden, um sie zu sehen.

Gegen Mittag besichtigen wir die Schule des Dorfes. Hisham erklärt wieder, dass hier auch fünf erwachsene Frauen im Lesen und Schreiben unterrichtet würden. Daraufhin fragt Rachel, ob sie diese Frauen kennen lernen könnte, aber dazu kommt es nicht, denn wir sind alle hungrig und das Essen wartet auf uns im Haus von Mohammed.

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Das Dorf, in dem wir uns befinden, heißt Infag, erfahre ich, das ist berberisch. In Mohammeds Haus wird uns gleich nach unserem Eintreffen das Essen serviert. Das Zimmer ist leicht schräg, es ist traditionell eingerichtet mit schmalen Matratzen und Kissen für die Bequemlichkeit,  auf dem Boden liegt ein gewebter Teppich in Neonfarben. Zum Essen werden zwei niedrige Tische herbeigetragen und als erstes eine Tajine serviert. In zwei Grüppchen essen wir aus einer Schale, ohne Besteck, nur mit Brot, wie es üblich ist. Zum Nachtisch gibt es Vermicelli-Nudeln gedämpft und mit Zimt und Zucker gewürzt, diese werden mit den bloßen Händen gegessen. Bevor, man überhaupt mit dem Essen beginnt, wird ein Schale mit Handtuch herum gereicht und jemand gießt jedem einzelnen Wasser aus einer Kanne über die Hände.

Obwohl die meisten von uns jetzt gerne einen Mittagsschlaf gehalten hätten, brechen wir auf zu einer letzten Operation im Wadi Anouqal, am Fuße des Dorfes.

Der Cloudbuster wird direkt am Wasser aufgestellt und die Schläuche in den Strom gelegt. Fahd, Christoph und Hisham bauen einen kleinen Damm aus Steinen. Da wir alle vom Regen genug haben, sind wir sichtlich erleichtert, dass auch nach mehreren Versuchen, die Motorpumpe nicht anspringt. So werden nur Filmaufnahmen gemacht vom Cloudbuster und den Bergen im Hintergrund. Immer wieder kommen Leute vorbei, zu Fuß, auf Eseln, oder mit dem Auto. Das Flussbett ist hier gleichzeitig eine Straße, die die Dörfer miteinander verbindet. Ein Minibus hält kurz  und man begrüßt sich freundlich. Nach knapp zwei Stunden beenden wir die Aktion. Wir machen uns auf den Weg nach Imi ’n‘ Tela. Unser Weg führt auf ungepflasterten Straßen immer höher durch weitere Bergdörfer. Die Straße ist sehr schmal, so dass immer nur ein Auto in einer Richtung Platz hat. So fahren wir sehr nah an den Häusern der Dorfbewohner vorbei. Manche stehen in den Eingangstüren und begrüßen uns freundlich.

An einer sehr abschüssigen Stelle kommt uns ein größeres Fahrzeug entgegen, ein orangefarbener Bus. Diese Busse haben Dachgepäckträger und sind zum Teil von oben bis unten mit Menschen und Dingen beladen. Dieser ist fast leer, trotzdem kommen wir nicht aneinander vorbei. So muss der Anhänger mit dem Cloudbuster abgekoppelt und an die Seite gestellt werden, so kann Christoph rückwärts an eine breitere Stelle fahren.

Als wir in Imi ’n‘ Tela ankommen ist es bereits fünf Uhr am Nachmittag. Die Sonne geht langsam unter. Das Thermometer zeigt nur noch 14 Grad. Mohammed steigt zweimal kurz aus, um bei Bekannten im Dorf vorbeizuschauen. Während wir auf ihn warten werden wir von Kindern belagert, die Stifte oder Bonbons haben wollen. Da wir nicht haben, was sie wollen, begnügen sie sich damit, uns anzusehen. Auch wir schauen sie uns an und es wird auf beiden Seiten immer wieder bonjour gesagt. Schließlich wird ein Junge auf den großen Rückspiegel unseres Autos aufmerksam, der wirklich imposant ist. Die Kinder betrachten sich darin, man sieht in diesem Spiegel leicht verzerrt aus, der Junge sagt  dann nur ein Wort: „Parabol“.

Endlich kehrt Mohammed zurück, wir verabschieden uns von den Kindern und   setzen unsere Fahrt fort.

Es geht immer weiter bergauf und wir fragen uns, wie wir hier vor Einbruch der Dunkelheit zurück nach Amezmiz kommen werden. Bei diesen schmalen Bergstraßen, in denen es unerwartete Löcher gibt, ist es nicht ungefährlich im Dunkeln zu fahren. Mohammed sagt, als wir ihn fragen immer nur, wir sind gleich da, keine Angst, dabei geht es immer höher und höher, die weiße schneebedeckte Bergspitze, die wir vorhin noch mit Zoom fotografiert haben erscheint jetzt ganz nah.

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Schließlich erreichen wir eine geplasterte, sichere Bergstraße, die erst vor sechs Monaten fertiggestellt wurde, wie uns Mohammed sagt. Von da an geht es ziemlcih schnell bergab, bald sehen wir Amezmiz vor uns im Tal und es wirkt auf einmal ganz anders als noch vor ein paar Stunden, fast wie eine richtige Stadt. Als wir uns den ersten Häusern nähern, kommen uns immer wieder Jugendliche entgegen, die  sich hier offensichtlich zum abendlichen Flanieren einfinden.  Einige knabbern Nüsse, die Straße wird von Nadelbäumen gesäumt und erinnert an Südfrankreich.

Als wir in Amezmiz ankommen sind es angenehme 12 Grad. Wir verabschieden Rachel, die den nächsten Bus nach Marrakesch nehmen will. Dann trinken wir einen Kaffee im Anouar. Alle sind begeistert über unsere Exkursion und froh, dass sich das Regenmachen auf die Tage vorher beschränkt hat und es tatsächlich zu Regen kam. Wir sind uns einig, dass die höheren Mächte auf unserer Seite gewesen sein müssen. Auch Ayoub ist begeistert und lacht die ganze Zeit. Als er hinten bei uns im Auto saß und schwieg hatten wir den Eindruck er fühle sich wie ein jugendlicher, der nur widerwillig mit seinen Eltern einen Ausflug in die Natur macht und damit überhaupt nichts anzufangen weiß. Nun aber beteuert er, wie sehr er doch die Fahrt genossen habe, die bezaubernde Landschaft und die wunderbaren Menschen.

Beim Abendessen erzählt Hisham uns die Geschichte von Imi ’n‘ Tela. Der Sage nach forderte ein Drachen im Dorf jedes Jahr ein Mädchen. Als die Reihe an Tela war, weigerte sich ihr Geliebter sein Mädchen zu opfern und nahm den Kampf gegen den Drachen auf. Er besiegte den Drachen und stach ihm die Augen aus. Daraus wurde eine Quelle, die fortan Imi ’n‘ Tela genannt wurde. Imi haißt auf berberisch Quelle und Mund zugleich.

23. März 08

Sehr früh am Morgen als alle noch schlafen, machen Christoph und Rim Ton Aufnahmen draußen auf dem Grundstück von Hisham und Laurence. Nach dem Frühstück fahren Christoph und ich nach Amezmiz. Christoph lässt sich bei Driss Moulay, dem Bruder von Rashid, die Barthaare stutzen. Ich sitze derweil draußen vor dem kleinen Frisörladen und schaue zu, wie die Männer bergauf zur Moschee laufen, gemächlichen Schrittes. Ebenso gemächlich geht es nach dem Gebet wieder bergab.

Wir holen ein Teil des Stativs ab, das jetzt nach Ende der Operationen farblich ausgebessert wurde.

Ein letztes Mittagessen im Dar-al-Schurafa, wir brechen  auf. Nach einem langen Abschied, treibt der Anhänger eine tiefe Furche in den Garten. Also müssen wir wieder zu Rashid, um den Anhänger reparieren zu lassen. Ayoub sagt, das sei ein Zeichen dafür, dass wir diesen Ort nicht wirklich verlassen wollen.

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