Nach einer Reihe von Hindernissen, die ich überwinden muss, finde ich mich allein an einer Ausfallstraße wieder. Es ist neblig-trüb. Irgendwo steht mein Auto mit allen Habseligkeiten, meiner Handtasche und meinem Reisepass. Es ist ein schwarzes Auto, ein Fiat Panda. Ich muss nicht allzu lange warten, da biegt ein grüner Sportwagen rasant um die Kurve. Die Seitenteile sind völlig perdu und das Dach schwebt auf vier Stäben, nur der Chauffeur findet Halt in all der Luftigkeit. Sein Kopf ragt kaum über das kleine runde Lenkrad, seine Hände umklammern es auf Ohrenhöhe. Ich renne los und stolpere im Fosbury Flop mit dem Kopf zuerst und den Füßen zuletzt in das fahrende Auto. Plötzlich im Brautkleid, das ich vorher nicht anhatte, lande ich sanft auf einer mit weißen Kissen gepolsterten Ladefläche. Cut. Ein junger Mann mit rotblondem Kurzhaarschnitt stammelt schüchtern vor sich hin. Mein Ohr rückt näher, ich versuche zu verstehen was er sagt. Doch ich bin nur eine Zuschauerin vor einem Flachbildfernsehschirm. Der junge Mann zeigt auf eine Tür und stammelt weiter. Offenbar muss er durch diese Tür hindurchgehen. Das will er sagen. Das ist seine Aufgabe. Seine Körpersprache, der Schweiß auf seiner Stirn, alles gibt mir zu verstehen, dass hinter der Tür weitaus größere Aufgaben auf ihn warten, vielleicht sogar Abenteuer, die er zu bewältigen hat. Endlich bewegt er sich auf die Tür zu, man sieht seinen Hinterkopf. Die Kamera schwenkt auf seinen Körper, etwa drei Sekunden out of Focus, dann Halbtotale. Jetzt sieht man, dass der junge Mann ein Fass um den Bauch trägt. Er öffnet die Tür und lässt den Blick auf ein paar Männer frei, die damit beschäftigt sind, in leichte Star-Wars-Klon-Krieger-Kostüme zu steigen. Ein gigantisches schwarzweißes spiralenförmiges Ding, dessen Ausmaße schlicht unfassbar sind beherrscht den Raum. Die Klon-Krieger erklimmen mit Haken und Seilen, eine schräg abfallende Wand aus luziden Endosporen. Die so, wie eine Off-Stimme erklärt, schon seit Jahrmillionen Jahren im All auf diesen Einsatz gewartet haben. In einem der Männer erkenne ich Markus. Mir verschlägt es kurzzeitig den Atem. Tatsächlich, es ist Markus Mischkowski. Und wir sind mitten in einer aktuellen Folge der Quereinsteigerinnen, bei der diesmal Markus und Kai Maria Steinkühler die Hauptrollen spielen. Es ist ein neues Fernsehformat, bei dem die Zuschauer live dabei sind, während die Quereinsteiger Abenteuer bestehen. Es ist eine Challenge. Auch für mich, Mario, Rainer und Nina. Vielleicht kommen auch die Pickarts wieder vor und Klaus, Guy und Monsieur Mrasek himself. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Nach dem bewerten Prinzip der Zopfdramaturgie müsste in dieser Folge ich wieder an der Reihe sein. Cut. Fosbury Flop 2 Ich bediene zum ersten Mal in einer Bar, als mindestens sieben talentierte Gangsta-Rapper hereinkommen, sich an den Tresen setzen und Drinks bestellen. Es sind komplizierte Angelegenheiten, hauptsächlich Cocktails, geschüttelt. Ich muss alles aufschreiben, weil merken kann ich mir das nicht. Der erste Typ bestellt einen Whiskey One Oh One auf Eis, der ihm nach genau drei gekühlten Minuten serviert werden soll. Ich mache ein dummes Gesicht und der Typ, er hat eine wunderbare Stimme, schreibt seine Bestellung selbst auf den Zettel. Ich muss dringend pinkeln. Es dauert länger als drei Minuten. Das Entleeren meiner Blase scheint kein Ende zu nehmen. Ich schwebe über der Kloschüssel, mache mir Sorgen und schaue auf die braunen hölzernen Wände. Nicht mal den ersten Drink habe ich eingeschenkt. Mein Boss wird bestimmt sauer sein. Und dann sind da noch die anderen sechs Männer mit ihren komplizierten Getränken. Als ich zurückkomme schaut mich der erste Gangsta-Rapper mitleidig an, als hätte er von Anfang an gewusst, dass ich das nicht hinkriege mit seinem drei Minuten Whiskey. Ich schaffe es tatsächlich nicht. Und die Männer in der Bar bleiben als ewige Avatare in ihrem Loop hängen. Bis ich nächste Woche oder übernächste Woche wiederkomme. Asta la vista Baby. Fosbury Flop 3

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